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Vermögen besser verwalten

Creditreform Unternehmermagazin

Creditreform Magazin, 10.12.2010


Wie sich Banken und freie Vermögensverwalter in der Krise geschlagen haben – und worauf Kunden achten sollten.

„Wie angenehm ist es, sein Vermögen zu bewahren“, seufzte schon vor mehr als 2.000 Jahren der römische Dichter Titus Maccius Plautus. Der Mann hatte leidvolle Erfahrungen gemacht – und all sein Geld verloren. Heute könnte Plautus’ Ausspruch Leitmotiv vieler Menschen sein, die auch in Zukunft ihren hart erarbeiteten Wohlstand genießen wollen. Doch wie bewahrt man sein Vermögen in Zeiten, in denen die letzte Finanzkrise längst noch nicht ausgestanden ist – und die nächste vielleicht schon in den Startlöchern lauert? In denen die Notenbanken ihre Gelddruckmaschinen anwerfen und damit das Gespenst der Inflation heraufbeschwören? Und die Anlagemöglichkeiten so unübersichtlich sind, dass ein Laie sich im Dschungel der Finanzrisiken nur allzu leicht verirrt?

Die Antwort: Man muss sich „nur“ den richtigen Berater suchen. Wer über ein liquides Vermögen – in der Regel ab 100.000 Euro – verfügt, hat gut lachen. Dann hätscheln einen die Geldinstitute als Private-Banking-Kunden mit intensiverer persönlicher Beratung als im schnöden Massenkundengeschäft. Mit den erhaltenen Anlagevorschlägen kann man somit entweder selbstständig entscheiden oder sein Vermögen nach festgelegten Kriterien verwalten lassen, ohne sich direkt darum zu kümmern.
 

Die Zügel aus der Hand geben?

Eine aktuelle Studie der Universität Linz im Auftrag von LGT Wealth & Asset Management zeigt aber, dass selbstständiges Entscheiden in Vermögensangelegenheiten oft nicht zum gewünschten Erfolg führt. Für die Studie wurden in Deutschland, Österreich und der Schweiz 332 Privatkunden mit einem frei verfügbaren Vermögen von mehr als 500.000 Euro befragt. Die Hälfte von ihnen trifft Anlageentscheidungen eigenständig, 46 Prozent tun dies zusammen mit anderen oder ihrem Anlageberater, und nur drei Prozent überlassen die Entscheidung komplett dem Anlageberater. Obwohl 60 Prozent angaben, in Sachen Geldanlagen über ein gutes oder sehr gutes Wissen zu verfügen, offenbarte die Studie zum Teil erhebliche Defizite bei der Anwendung dieses Wissens. „Es fehlt an Know-how im Umgang mit der Psychologie der eigenen Handlungen und derjenigen des Marktes“, sagt Studienleiter Prof. Teodoro D. Cocca. Deshalb führe vermeintliches Wissen oft zu Fehleinschätzungen und verleite dazu, riskanter zu agieren als man eigentlich möchte.

Besonders das Verhalten während der Finanzmarktkrise ließ häufig zu wünschen übrig. So fielen viele Anleger in eine Art Schockstarre und warteten erst einmal ab. Andere erhöhten den Cash-Anteil in ihren Portfolios und verpassten damit die Chance, von der anschließenden kräftigen Erholung der Aktienmärkte zu profitieren. Auch eine deutliche Flucht in scheinbar sichere Anlagen wie etwa Gold, Schmuck oder Kunst war zu verzeichnen. „Das Umsteigen in Sachwerte mag im Einzelfall richtig sein“, meint Prof. Cocca. „Aber die Studie lässt vermuten, dass solche Käufe nicht aus rationalen Erwägungen erfolgten, sondern aus Unsicherheit wenn nicht gar Panik. Immerhin gab ein Drittel der Befragten an, in der Krise Angst um sein Vermögen gehabt zu haben.“

Irrationales Anlageverhalten schreit geradezu nach einem kompetenten Vermögensberater oder -verwalter, der einen erfolgreich durch mögliche Turbulenzen steuert. Doch nicht jeder aus dieser elitären Zunft ist wirklich dafür geeignet. So prangert der jährliche Elite Report an, dass „leider der Vermögensschutz in unseren Breiten eine nur im Verborgenen blühende Disziplin“ sei. Die Eliteleute testen regelmäßig inkognito die Beratungsqualität der Geldhäuser und Vermögensverwalter und schicken dafür etwa Senioren auf Tour, die bis zu ihrem „Unruhestand“ selber als erfolgreiche Vermögensverwalter gearbeitet haben. Was diese Experten erlebten, „trieb ihnen oft die Schamröte ins Gesicht“, so ein Tester. Häufig saßen sie „Ignoranten, Dilletanten und Wichtigtuern“ gegenüber, die nur ihr übliches Verkaufsprogramm abspulen wollten.
 

Interessenskonflikte aufdecken

Gerade die großen Geldhäuser scheinen in punkto Beratungsqualität aus der letzten Finanzkrise nichts gelernt zu haben, heißt es im Elite Report 2010: „Kein neues Feingefühl, kaum ehrliche Kundenorientierung und von nachgewiesenem Vermögensschutz keine Spur.“ Die Tester gewannen den Eindruck, dass man in diesen Häusern Ängste und Emotionen der Kunden geradezu ignoriert. Stattdessen müssten vermögende Senioren besonders oft ein arrogantes Berater-Theater mit viel Blendwerk ertragen. „Einige Tester legten den Beratern sogar ihre eigene erfolgreiche Vermögensvergangenheit in Form von Depotunterlagen vor und fragten, wie dieses Depot saniert und neu aufgestellt werden müsste“, erzählt Elite-Report-Chefredakteur Hans-Kaspar von Schönfels. „Fast immer gab es nur die eine Antwort: Alles verkaufen, wir fangen neu an.“

Nur ein Beispiel, das deutlich zeigt, wie wenig Einfühlungsvermögen in die Wünsche der Kunden häufig anzutreffen ist. „Dabei sollte ein seriöser Vermögensverwalter sich erst einmal genügend Zeit nehmen, um herauszufinden, wie der Kunde tickt“, sagt Nero Knapp vom Verband unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland. „Das ist wie die Anamnese eines Arztes. Er muss recherchieren, wen habe ich da vor mir, was hat der Mensch für eine finanzielle Vorgeschichte, gibt es zur Zeit irgendwelche Beschwerden, etwa laufende Belastungen, welche künftigen wirtschaftlichen Anforderungen sind zu erwarten?“ Genau zu eruieren sei zum Beispiel, ob der Kunde eher sicherheitsorientiert ist oder durchaus Bereitschaft besteht, für eine höhere Rendite etwas zu riskieren.

Vermögensverwalter unterliegen der Genehmigung und Kontrolle durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Allzu gern versprechen sie, jedes Investment werde vorher selbstverständlich sorgfältig geprüft. Doch bei einigen sind solche Zusagen reine Worthülsen. Wie anders ist es sonst zu erklären, dass Kundengelder so häufig in komplexe, intransparente Zertifikate gesteckt wurden? „In der Regel profitiert von solchen Papieren nur der Emittent oder der sie vertreibende Vermögensverwalter“, sagt Klaus Rotter, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht. Ein weiteres Problem kann sich ergeben, wenn der Vermögensverwalter selber Aktien emittiert. Läuft die Emission nicht gut, wird der Rest oft in die Depots der Kunden gebucht. „Ein alter Trick“, so Rotter. Auch wenn der Vermögensverwalter einen Fonds berät, entstehen Interessenskonflikte.

Doch wo der Kunde mit viel Schatten rechnen muss, gibt es selbstverständlich auch die lichtvollen Seiten, wie der neueste Elite Report dokumentiert. Von 158 geprüften Vermögensverwaltern wurden in einem mehrstufigen Ausleseverfahren 51 als empfehlenswert eingestuft und mit „cum laude“ bis „summa cum laude“ bewertet. Was die Gewinner auszeichnet? „Unter anderem gute Beratung, Eingehen auf die Wünsche der Kunden, fairer Vertrag, transparente Gebühren“, erläutert von Schönfels. Bemerkenswert: eine deutsche Großbank ist nicht unter den Ausgezeichneten.

Autor: Wolfram Tauscher

 

Interview: Klaus Rotter, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht, über Fallstricke in der Vermögensverwaltung und faire Vergütung



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