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– Leasing im Fokus

Initiativen und Lösungen zur Betrugsabwehr –
Leasing im Fokus

Betrugsprävention oder neudeutsch "Fraud Management" ist für Finanzdienstleister ein immer wichtigeres Thema. Viele der Finanzdienstleister haben jedoch noch kein professionelles Management zur Betrugsabwehr installiert.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Der Einfluss von Compliance-Richtlinien wird immer größer und zwingt die Unternehmen, ihre Risikomanagementprozesse zu verbessern. Bankaufsichtsrechtlich ergibt sich die Notwendigkeit zur Fraud Prevention und Fraud Detection insbesondere aus den Regelungen des § 25a Abs. 1 S. 3 Nr. 6 KWG. Innerhalb der MaRisk (Mindestanforderungen an das Risikomanagement – BTR 4 operationelle Risiken) ergeben sich ebenfalls Fraud-spezifische Verpflichtungen.

Weitere aufsichtsrechtliche Rahmenbedingungen wie das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) und der Sarbanes Oxley Act schaffen eine gute Basis für die Betrugsprävention. Allerdings reicht das einfache Einhalten der gesetzlichen Vorschriften allein nicht aus.

Allgemeine Ausgangslage

Laut dem aktuellen Bundeslagebild Wirtschaftskriminalität 2006 entfallen von den 6,3 Millionen polizeilich erfassten Straftaten in Deutschland 95.887 Fälle (3 Prozent) auf die Sparte "Wirtschaftskriminalität". Im Vergleich zum Vorjahr ist ein leichter Anstieg der Fallzahlen (um 7,5 Prozent) zu verzeichnen. Der verursachte Schaden lag 2005 bei 4,2 Milliarden Euro. Die Zahlen von 2006 waren bei der Erstellung des Artikels noch nicht verfügbar. Die Aufklärungsquote lag bei 96,4 Prozent und damit deutlich höher als bei der Gesamtkriminalität (55,4 Prozent).

Laut Bundeskriminalamt ist von einem erheblichen Dunkelfeld auszugehen; die polizeilichen Fallzahlen und die registrierte Schadenssumme dürfte also nicht das tatsächliche Ausmaß abbilden. Insbesondere der Reputationsschaden entzieht sich der statistischen Erfassung.

"Der hohe Schaden bei vergleichsweise geringen Fallzahlen macht deutlich, dass die Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität eine Aufgabe mit hoher Priorität ist."
(Bundesministerium des Inneren – Kriminalität/Daten und Fakten: Wirtschaftskriminalität)

Leasing im Fokus der Betrüger

Vor allem bei den Leasing-Gesellschaften stellt sich immer häufiger die Frage "Sind Leasing-Fahrzeuge bevorzugte Verwertungsobjekte für international agierende Verbrecherorganisationen?" Der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) zufolge ist der Kfz-Diebstahl 2006 gegenüber dem Vorjahr erneut gesunken (minus 16 Prozent). Seit 1993 konnte der Fahrzeugdiebstahl insgesamt auf weniger als ein Fünftel gesenkt werden, dies bestätigt auch die Statistik des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Doch im Gegenzug nehmen die Betrugsverdachts- und Betrugsfälle bei den Finanzdienstleistern stetig zu. Betroffen ist überwiegend das Mobilien-Leasing, also das Leasing von Baumaschinen, Maschinen, Musikinstrumenten etcetera, das IT-Leasing sowie die Sektoren Automotive, Finance und Investitionsgüter.

Im Bundeslagebild Organisierte Kriminalität (OK) 2006 bildeten Eigentumsdelikte den zweitgrößten Kriminalitätsbereich. Der eindeutige Schwerpunkt lag auf Kfz-Sachwertdelikten (internationale Kfz-Verschiebung). Hauptsächlich wurden Fahrzeuge von Deutschland entweder nach Polen oder über Polen in die Ukraine, nach Russland oder Litauen verbracht.

Das drittgrößte Feld für Kriminalität bietet das Wirtschaftsleben. Am häufigsten wurden Finanzierungsdelikte wie beispielsweise Kreditbetrug begangen. Im Jahr 2006 wurden laut PKS 954.277 Betrugsfälle registriert. Dies sind 0,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Das Fazit: Fahrzeuge werden nicht mehr gestohlen, sondern finanziert oder geleast und dann verschoben!

Betrugsphänomene

Auf detaillierte Beschreibungen der Betrugsmuster möchten wir in diesem Beitrag nicht eingehen. Es gibt jedoch besonders im gewerblichen Bereich eine erhebliche Zahl professionell organisierter Betrugsphänomene. Nachfolgendes Schaubild verdeutlicht die ersten Erkenntnisse über die häufigsten Muster.

Wie kann die Betrugsprävention organisiert werden?

In Zusammenarbeit mit den Automobilbanken und den herstellergebundenen und herstellerunabhängigen Leasing-Gesellschafen hat der Verband der Vereine Creditreform erste datenbasierte Lösungsansätze zur möglichen Früherkennung von erhöhter Betrugswahrscheinlichkeit und zur Betrugsprophylaxe erarbeitet.

Aus den bisher vorliegenden umfangreichen Erkenntnissen der forensischen Untersuchung der gemeldeten und identifizierten Betrugsfälle können erste Ansatzpunkte und Muster abgeleitet werden. Diese Ansätze werden in einem dauerhaften Arbeitskreis von betroffenen Unternehmen und den Verbänden (Bankenfachverband, Bundesverband Deutscher Leasing-Unternehmen) fortgeführt und intensiviert.

Langfristig arbeitet der Verband der Vereine Creditreform am Aufbau und Betrieb eines Kreditdatensegments und an einer anonymisierten Betrugsmustererkennung sowie der Integration einer "Risikoindikation" innerhalb der Kreditprüfungsprozesse der Finanzdienstleister.

Es sind Profis am Werk, die systematisch betrügen, und die Tricks werden immer raffinierter. Betrugsmuster gehen mit der Zeit und verbreiten sich. Nur durch eine gemeinsame Anstrengung und den gezielten Einsatz von wirksamen Maßnahmen zur Betrugsabwehr kann Betrug eingedämmt werden. Hierzu gehört auch der gezielte und regelmäßige Austausch zwischen den Finanzdienstleistern und die Erarbeitung von Maßnahmen zur frühzeitigen Betrugserkennung.

Zur Autorin:
Silvia Rohe ist seit dem 1. Januar 2007 Senior Consultant Compliance & Fraud Management beim Verband der Vereine Creditreform e.V. Zuvor war sie 17 Jahre bei der Toyota Kreditbank GmbH als Gruppenleiterin im Bereich Risikomanagement tätig. Zu ihren Aufgaben gehörten darüber hinaus die organisatorische Leitung des Projektes "Basel II" sowie der Aufbau des Bereichs Betrugsprävention.

Kontakt

Möchten Sie mehr über das Projekt Betrugsprävention und Betrugsabwehr oder über die aktuellen Betrugsmuster erfahren? Dann setzen Sie sich bitte mit Ihrer Creditreform Gesellschaft oder direkt mit Silvia Rohe in Verbindung:

Verband der Vereine Creditreform e.V.
Silvia Rohe
s.rohe@creditreform.de
Tel.: 0 21 31 / 1 09 38 62



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